Safer Work

Safer Work

Wenn von der „neuen Normalität“ die Rede ist, meint das in der Regel so viel Alltag wie möglich unter Einhaltung strenger Hygiene-Maßnahmen. Wie das am Arbeitsplatz umzusetzen ist, hängt von der jeweiligen Branche ab, aber auch von anderen Parametern wie z.B. von der Häufigkeit und Intensität des Kundenkontakts.

Wir haben für Sie die wichtigsten, allgemein gültigen Informationen zu notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen zusammengestellt. Es finden sich verbindliche Vorgaben, aber auch ausgewählte branchenspezifische Hinweise und weitere nützliche Tipps und Hinweise.

Empfehlungen und Orientierungshilfe

Allgemeine Hinweise

  • Ziel aller Maßnahmen im Bereich Safer Work ist der Schutz der Bevölkerung, die Sicherung der Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wirtschaftliche Aktivitäten sicherzustellen und schließlich dauerhaft flache Infektionskurven zu erreichen.
  • Um diese Ziele zu erreichen, werden technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen eingesetzt.
  • Technische Schutzmaßnahmen stehen in der Rangfolge über organisatorischen Maßnahmen und diese wiederum vor personenbezogenen
  • Im Folgenden finden Sie allgemein geltende Hinweise. Auf Ihre Branche abgestimmte, detailliertere Anleitungen finden Sie z. B. bei Ihren zuständigen Berufsgenossenschaften.- 

Die zwei Basis-Regeln

  • Überall dort, wo der Mindestabstand (1,5 Meter) nicht eingehalten werden kann, müssen
    • Mund-Nasen-Bedeckungen zur Verfügung gestellt und
    • getragen werden
  • Personen mit Atemwegssymptomen sollten sich (sofern nicht vom Arzt abgeklärte einfache Erkältung) generell nicht am Arbeitsplatz bzw. auf dem Betriebsgelände aufhalten, Ausnahme: Beschäftigte in kritischen Infrastrukturen (Vgl. RKI-Empfehlungen)  

Arbeitgeberpflichten

  • Der Arbeitgeber trägt die Verantwortung für die Umsetzung notwendiger Infektionsschutzmaßnahmen
  • Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sind zwingend zu berücksichtigen
  • Der Arbeitgeber hat ein Verfahren zur Abklärung von Verdachtsfällen festzulegen (siehe z.B. RKI-Empfehlungen bei Fieber)
  • Der Arbeitgeber hat sich bei der Umsetzung der Maßnahmen von den Fachkräften für Arbeitssicherheit und Betriebsärzten beraten zu lassen.
  • Die getroffenen Maßnahmen sind mit den betrieblichen Mitarbeitervertretungen (Betriebsrat o.ä) abzustimmen.

Organisatorische Empfehlungen

  • Arbeiten Sie einen Infektionsnotfallplan aus
  • Falls im Betrieb ein Arbeitsschutzausschuss vorhanden ist, koordiniert dieser die Umsetzung der Maßnahmen und überprüft deren Wirksamkeit. Alternativ kann ein Krisenstab (unter Leitung des Arbeitgebers und Mitwirkung von Betriebsrat, Arbeitsschutz-Fachkraft und Betriebsarzt) eingerichtet werden.

Gefährdungsbeurteilung und Betrieblicher Pandemieplan / Infektionsnotfallplan

  • Der Arbeitgeber sollte eine betriebsinterne Gefährdungsbeurteilung vornehmen
  • Grundlage der Gefährdungsbeurteilung sollte sein:
    • Häufigkeit und Intensität von Situationen mit Infektionsgefahr
    • Möglichkeit und Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen
    • Gefahr psychischer Belastungen durch Corona (z.B. durch konflikthafte Auseinandersetzung mit Kunden, erhöhte Arbeitsbelastung oder durch Anforderungen des Social Distancing)
    • Möglichkeit und Umsetzung zur Minimierung psychischer Belastungen 
  • Basierend auf der Gefährdungsbeurteilung und den getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen sollte ein Infektionsnotfallplan erstellt werden. Wichtiger Bestandteil des Infektionsnotfallplans ist die zeitnahe Ermittlung aller in Kontakt zur infizierten Person stehenden Personen, deren Kontaktklassifizierung (siehe RKI-Empfehlung) und deren Informierung  

Technische Maßnahmen

Arbeitsplatzgestaltung

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen ausreichend Abstand (min. 1,5m) zu anderen Personen halten.
  • Falls dies technisch und organisatorisch nicht möglich ist, sind alternative Schutzmaßnahmen vorzusehen.
  • Transparente Abtrennungen sind bei Publikumsverkehr und (bei nicht gegebenem Schutzabstand) möglichst auch zur Abtrennung von Arbeitsplätzen zu installieren.  

Büro

  • Büroarbeit ist nach Möglichkeit im Homeoffice auszuführen
  • Andernfalls sollten Mehrfachbelegungen von Büroräumen möglichst vermieden werden
  • Wenn eine Mehrfachbelegung von Büroräumen nicht vermeidbar ist, sind zwingend ausreichende Schutzabstände einzuhalten oder Abtrennungen (s. o.) zu installieren. 
  • Bei Mehrfachbelegung sollten 10 qm Fläche pro Person nicht unterschritten werden.
  • Die Räume sind häufig zu lüften, um einen ausreichenden Luftaustausch zu gewährleisten (Stoßlüftung alle 30 Minuten, bei kleinen Fenstern häufiger). 

Homeoffice

  • Empfehlungen für Arbeitgeber und Beschäftigte zur Nutzung des Home-Office auf www.inqa.de

Dienstreisen und Meetings

  • Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen sind auf ein absolutes Minimum zu reduzieren
  • Stattdessen sollen technische Alternativen (z.B. Telefon- oder Videokonferenzen) ausgeschöpft werden
  • Bei notwendigen Präsenzveranstaltungen ist zwingend der Mindestabstand zwischen den Teilnehmern einzuhalten
  • Die Räumlichkeiten sollten sich ausreichend belüften lassen.
  • Es sollten ausreichend Möglichkeiten zur Handhygiene verfügbar sein (ggf. auch Bereitstellung eines begrenzt viruziden Desinfektionsmittels)  

Maßnahmen auf Baustellen, bei Außendiensten, Transportfahrten und in der Landwirtschaft

  • Arbeitsabläufe sind auf die Möglichkeit vereinzelter Arbeit hin zu überprüfen
  • Alternativ sind möglichst kleine feste Teams (2 bis 3 Personen) einzurichten
  • Zusätzlich ist die Möglichkeit häufiger Handhygiene in Arbeitsplatznähe und in Dienstfahrzeugen zu schaffen (Desinfektionsmittel, Einmalhandtücher, Müllbeutel) 
  • Bei betrieblich notwendigen Fahrten sollten die Fahrzeuge nach Möglichkeit nicht gleichzeitig von mehreren Personen genutzt werden. Insgesamt sollte die Nutzung (z.B. durch klare Zuweisung von Fahrzeugen zu Teams) auf wenige Personen pro Fahrzeug beschränkt werden 
  • Fahrzeug-Innenräume sind – insbesondere bei Nutzung durch unterschiedliche Personen – regelmäßig zu reinigen
  • Bei Transport- und Lieferdiensten ist bei der Tourenplanung die Möglichkeit der Nutzung von Sanitäreinrichtungen zu berücksichtigen  

Sanitärräume und Reinigung

  • Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung zu stellen
  • Gegebenenfalls sind die Reinigungsintervalle insbesondere von Sanitäreinrichtungen und Gemeinschaftsräumen anzupassen
  • Regelmäßiges Reinigen von Türklinken und Handläufen vermindert das Infektionsrisiko

Kantinen und Pausenräume

  • Ausreichender Abstand (z.B. bei Tischen und Stühlen) ist sicherzustellen
  • Vermeidung von Warteschlangen (z.B. an Essensausgabe oder Geschirrrückgabe), z. B. durch Ausweitung der Essensausgabezeiten
  • Hierbei sind die Vorgaben für die Gastronomie hilfreich.
  • Wenn ein ausreichender Infektionsschutz nicht sichergestellt werden kann, sollte als ultima ratio die Kantine geschlossen werden. 

Lüftung

  • Zur Verringerung des Übertragungsrisikos sollte regelmäßig gelüftet werden. Zu empfehlen ist eine Stoßlüftung alle 30 Minuten.
  • Von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT) geht kein erhöhtes Übertragungsrisiko aus; von einer RLT-Abschaltung wird abgeraten, da dies das Übertragungsrisiko erhöht    

Organisatori­sche Maßnahmen

Sicherstellung ausreichender Schutzabstände

  • Die Nutzung von Verkehrswegen (Türen, Treppen, Aufzüge, Flure) muss dahingehend angepasst werden, dass ein ausreichender Abstand eingehalten werden kann
  • Wo Personenansammlungen entstehen (Zeiterfassung, Kantine, etc.), sollen mit Klebeband Schutzabstände markiert werden
  • Wo in der Zusammenarbeit kein Mindestabstand gewährleistet werden kann, müssen alternative Maßnahmen (z.B. Tragen von Mund-Nasen-Schutz) getroffen werden

Arbeitsmittel / Werkzeuge

  • Werkzeuge sind nach Möglichkeit personenbezogen zu verwenden
  • Wenn dies nicht möglich ist, sind die Werkzeuge regelmäßig, insbesondere vor Weitergabe, zu reinigen.   
  • Alternativ sind bei Nutzung von Werkzeugen Schutzhandschuhe zu benutzen, sofern dies ohne zusätzliche Gefährdungen möglich ist. 
  • Eine regelmäßige Reinigung ist auch für Gegenstände vorzusehen, die üblicherweise von verschiedenen Personen benutzt werden, etwa Tastaturen oder Kaffeemaschinen.

Arbeitszeit- und Pausengestaltung

  • Maßnahmen zur zeitlichen Entzerrung (versetzte Arbeits- und Pausenzeiten, Schichtbetrieb) sollen die Belegungsdichte von Arbeitsbereichen und sonstig genutzten Bereichen verringern
  • Bei der Einrichtung von Schichtplänen sollen nach Möglichkeit feste Teams in eine Schicht eingeteilt werden
  • Bei Dienstbeginn und Ende soll durch organisatorische Maßnahmen ein enges Zusammenkommen von Personen (z.B. bei der Zeiterfassung oder in der Umkleide) vermieden werden

Aufbewahrung und Reinigung von Arbeitsbekleidung und PSA

  • Die ausschließlich personenbezogene Nutzung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitskleidung ist besonders strikt einzuhalten
  • Es muss eine getrennte Aufbewahrung von Arbeitskleidung und PSA einerseits und Alltagskleidung andererseits ermöglicht und umgesetzt werden
  • Die Arbeitskleidung muss regelmäßig gereinigt werden   
  • Sofern hierdurch keine zusätzlichen Infektionsrisiken entstehen, können Beschäftigte Arbeitskleidung auch zu Hause an- und ausziehen

Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände

  • Der Zutritt betriebsfremder Personen ist auf ein Minimum zu beschränken
  • Der Zeitpunkt des Betretens und Verlassens der Betriebsstätte durch die betriebsfremde Person sowie deren Kontaktdaten sind zu dokumentieren
  • Die betriebsfremden Personen müssen über die im Betrieb geltenden Infektionsschutz-Maßnahmen informiert werden

Handlungsanweisungen bei Verdachtsfällen

  • Es sind betriebliche Maßnahmen zur raschen Aufklärung von Verdachtsfällen zu treffen. Beispielsweise sollte eine möglichst kontaktlose Fiebermessung im Betrieb möglich sein.
  • Beschäftigte mit entsprechenden Symptomen (Fieber, Husten, Atemnot) sollen das Betriebsgelände möglichst zügig verlassen, bzw. direkt zu Hause bleiben
  • Bis zur ärztlichen Abklärung (zunächst telefonische Kontaktaufnahme zum behandelnden Arzt oder zum örtlichen Gesundheitsamt) des Verdachtsfalls ist von Arbeitsunfähigkeit auszugehen
  • Nach Auftreten einer bestätigten Infektion sind die Personen (Beschäftigte, Kunden, sonstige betriebsfremde Personen), die in Kontakt zur infizierten Person standen, über das Infektionsrisiko zu informieren. Der behandelnde Arzt der infizierten Person meldet den Fall an das zuständige Gesundheitsamt, das dann Kontakt mit dem Betrieb aufnimmt, um die Namen eventueller Kontaktpersonen zu erfahren und die Betroffenen informieren zu können.  
  • Maßnahmen im Zusammenhang mit Verdachts- und Infektionsfällen erfolgen in Absprache mit dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt, das auch ggf. über Quarantänemaßnahmen entscheidet.

Personenbezogene Maßnahmen

Mund-Nasen-Schutz und persönliche Schutzausrüstung (PSA)

  • Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen sollten Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden 
  • In Bereichen, in denen ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht auszuschließen ist, ist ggf. weitere PSA erforderlich.
  • Die Auswahl eventuell erforderlicher PSA erfolgt sinnvollerweise gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt.

Unterweisung und aktive Kommunikation

  • Die Beschäftigten sollten über alle getroffenen und geplanten Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen umfassend informiert werden
  • Einheitliche Ansprechpartner sollten bekannt sein, der Informationsfluss sollte sichergestellt sein 
  • Schutzmaßnahmen sind zu erklären und mit verständlichen Hinweisen (Aushänge, Hinweisschilder, Markierungen) zu versehen
  • Auf die Einhaltung der persönlichen und organisatorischen Hygieneregeln (Abstandsregel, Handhygiene, PSA, Hust- und Niesetikette) ist hinzuweisen und hinzuwirken. Siehe hierzu auch die Hinweise der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gefährdeter Personen

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge sollte den Beschäftigten angeboten und ermöglicht werden
  • Beschäftigte sollten sich vom Betriebsarzt individuell zu besonderen Gefährdungen aufgrund einer Vorerkrankung oder Disposition beraten lassen können. Ebenfalls sollte die Möglichkeit gewährleistet sein, Ängste und psychische Belastungen zu thematisieren
  • Der Betriebsarzt sollte – in Kenntnis um den Arbeitsplatz – geeignete Schutzmaßnahmen vorschlagen
  • Gegebenenfalls kann der Arzt der betroffenen Person einen Tätigkeitswechsel nahelegen. Der Arbeitgeber erfährt hiervon nur mit ausdrücklicher Einwilligung durch den Beschäftigten.  
  • die Arbeitsmedizinische Vorsorge kann telefonisch erfolgen.

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